Schuppenflechte richtig behandeln: Was Hautärzte bei Psoriasis empfehlen

Veröffentlicht: 11. September 2026
Schuppenflechte

Hinweis: Das Titelbild wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und dient der illustrativen Darstellung.

 

Wer nach Hilfe bei Schuppenflechte sucht, findet schnell zahlreiche Empfehlungen: spezielle Cremes, bestimmte Ernährungsformen, Nahrungsergänzungsmittel, Hausmittel oder den Rat, Stress möglichst vollständig zu vermeiden. Für Betroffene ist oft schwer einzuschätzen, was davon tatsächlich sinnvoll ist.

Aus dermatologischer Sicht gibt es jedoch nicht die eine Behandlung, die für alle Menschen mit Psoriasis gleichermaßen geeignet ist. Entscheidend sind unter anderem die Ausprägung der Erkrankung, die betroffenen Körperregionen, bisherige Therapien, mögliche Begleiterkrankungen und die persönliche Belastung.

Die wichtigste Empfehlung lautet deshalb: Nicht möglichst viel behandeln, sondern die Behandlung passend zum individuellen Verlauf der Psoriasis auswählen.

Was empfehlen Hautärzte bei Schuppenflechte?

Bei Psoriasis geht es nicht nur darum, sichtbare Schuppen zu entfernen. Ziel ist es, die Entzündung zu kontrollieren, Beschwerden zu reduzieren und die Erkrankung langfristig möglichst gut in den Griff zu bekommen.

Dermatologisch sind dabei vor allem folgende Punkte wichtig:

  • die Haut regelmäßig pflegen,
  • entzündete Hautstellen gezielt behandeln,
  • verordnete Therapien korrekt und konsequent anwenden,
  • individuelle Auslöser beobachten, ohne sich in Verbotslisten zu verlieren,
  • die Therapie neu bewerten, wenn sie nicht ausreichend wirkt,
  • und mögliche Begleiterkrankungen – insbesondere Gelenkbeschwerden – ernst nehmen.

Welche dieser Maßnahmen im Vordergrund steht, hängt vom individuellen Befund ab.

1. Haut pflegen – Entzündung gezielt behandeln

Eine regelmäßige Basispflege gehört zur Behandlung der Psoriasis. Rückfettende und feuchtigkeitsspendende Pflegeprodukte können trockene Haut, Spannungsgefühle und Schuppung reduzieren und die Hautbarriere unterstützen.

Wichtig ist aber die Unterscheidung zwischen Hautpflege und medizinischer Behandlung.

Eine Pflegecreme kann Beschwerden lindern, behandelt eine aktive Entzündung aber nicht zwangsläufig ausreichend. Bei einer leichten Psoriasis kommen deshalb häufig zusätzlich lokal anzuwendende Medikamente zum Einsatz, beispielsweise Kortikosteroide, Vitamin-D3-Analoga oder entsprechende Kombinationen.

Welche Präparate geeignet sind, hängt unter anderem davon ab, wie ausgeprägt die Hautveränderungen sind und an welcher Körperregion sie auftreten.

Ist Kortison bei Schuppenflechte schlecht für die Haut?

Viele Patientinnen und Patienten sind bei kortisonhaltigen Cremes zunächst zurückhaltend. Kortikosteroide sind jedoch nicht grundsätzlich „schlecht für die Haut“.

Entscheidend sind Wirkstärke, Körperregion, Anwendungsdauer und die korrekte Anwendung. Probleme können insbesondere bei einer ungeeigneten oder langfristig unkontrollierten Anwendung entstehen.

Umgekehrt kann eine ausgeprägte Angst vor Kortison dazu führen, dass eine wirksame Behandlung zu früh abgebrochen oder gar nicht erst ausreichend angewendet wird. 

Deshalb sollte die Anwendung entsprechend der ärztlichen Empfehlung erfolgen – hier kann man sagen: 1x/Tag im akuten Schub, nach Besserung reicht eine Behandlung 2x/Woche (z.B. Montag und Donnerstag) aus. Damit lässt sich eine Schuppenflechte häufig gut in den Griff bekommen. 

2. Warum kommt Schuppenflechte trotz Behandlung immer wieder?

Viele Betroffene kennen die Situation: Die Haut wird unter einer Behandlung deutlich besser oder sogar vollständig erscheinungsfrei – später treten erneut Plaques auf.

Das bedeutet nicht automatisch, dass die Therapie versagt hat.

Psoriasis ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung. Eine Behandlung kann die Entzündungsaktivität sehr gut kontrollieren, beseitigt aber nicht die grundsätzliche Veranlagung für die Erkrankung.

Ein neuer Schub bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die vorherige Behandlung falsch oder wirkungslos war.

Treten Schübe allerdings sehr häufig auf oder lässt sich die Erkrankung mit der bisherigen Behandlung nicht ausreichend kontrollieren, sollte die Therapiestrategie überprüft werden. Dabei kann beispielsweise eine Rolle spielen, ob die Medikamente korrekt angewendet werden, ob die bisherige Therapie noch zum Erkrankungsverlauf passt oder ob eine andere Behandlungsstrategie sinnvoll ist.

3. Was kann einen Psoriasis-Schub auslösen?

Psoriasis verläuft häufig in Schüben. Warum sich die Erkrankung zu einem bestimmten Zeitpunkt verschlechtert, lässt sich jedoch nicht immer eindeutig feststellen.

Mögliche Einflussfaktoren können unter anderem Infektionen, Stress, Hautverletzungen oder starke Reibung sowie bestimmte Medikamente sein. Auch Rauchen, Alkohol und weitere individuelle Lebensstilfaktoren können eine Rolle spielen.

Wichtig ist dabei:

Nicht jeder Schub besitzt einen eindeutig identifizierbaren Auslöser.

Es ist daher wenig hilfreich, nach jedem Aufflammen der Erkrankung zwanghaft nach einem vermeintlichen „Fehler“ zu suchen. Sinnvoller ist es, wiederkehrende persönliche Zusammenhänge zu beobachten und diese bei Bedarf dermatologisch zu besprechen.

Was ist das Köbner-Phänomen?

Eine interessante Besonderheit der Psoriasis ist das sogenannte Köbner-Phänomen.

Bei manchen Betroffenen können neue Psoriasis-Herde an Hautstellen entstehen, die zuvor verletzt oder deutlich gereizt wurden – beispielsweise durch Kratzen, Reibung oder andere mechanische Belastungen.

Auch deshalb sollte mit betroffenen Hautstellen möglichst schonend umgegangen werden.

4. Wann reichen Cremes und Salben bei Psoriasis nicht mehr aus?

Bei einer leichten Psoriasis kann eine lokale Behandlung sehr wirksam sein. Nicht jede Erkrankung lässt sich jedoch dauerhaft allein mit Cremes und Salben ausreichend kontrollieren.

Eine erneute dermatologische Beurteilung kann sinnvoll sein, wenn die Psoriasis trotz korrekt angewandter Therapie immer wieder deutlich aufflammt, größere Hautflächen betroffen sind oder Juckreiz und Schmerzen stark ausgeprägt sind.

Auch die Lokalisation spielt eine wichtige Rolle. Eine flächenmäßig kleine Psoriasis kann beispielsweise an Händen, Nägeln oder anderen besonders empfindlichen beziehungsweise funktionell wichtigen Körperregionen sehr belastend sein.

Ebenso sollte berücksichtigt werden, wie stark die Erkrankung Alltag, Beruf, Schlaf oder psychisches Wohlbefinden beeinträchtigt.

Wenn eine lokale Behandlung nicht ausreicht, stehen abhängig vom Befund weitere Möglichkeiten zur Verfügung. Dazu können beispielsweise eine Phototherapie oder systemisch wirkende Medikamente gehören. Neben länger etablierten Wirkstoffen existieren heute verschiedene zielgerichtete Medikamente und Biologika.

Welche Therapie infrage kommt, muss individuell entschieden werden. Eine stärkere Erkrankung bedeutet daher nicht einfach, immer wieder „stärkere Cremes“ auszuprobieren. Vielmehr sollte geprüft werden, ob die bisherige Behandlungsstrategie noch zur Erkrankung passt.

5. Ernährung bei Schuppenflechte: Was empfehlen Hautärzte?

Rund um die Ernährung bei Psoriasis kursieren zahlreiche Empfehlungen. Einzelne Lebensmittel werden als „entzündungsfördernd“ bezeichnet, während spezielle Ernährungsformen teilweise eine deutliche Besserung oder sogar ein Verschwinden der Psoriasis versprechen.

Solche pauschalen Aussagen sind mit Vorsicht zu betrachten.

Es gibt keine allgemeingültige Psoriasis-Diät, mit der sich die Erkrankung einfach „wegessen“ lässt.

Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, ein gesundes Körpergewicht und Rauchverzicht sind dennoch sinnvoll. Auch ein bewusster Umgang mit Alkohol gehört zu einem gesundheitsfördernden Lebensstil.

Wer bei sich wiederholt einen Zusammenhang zwischen bestimmten Faktoren und einer Verschlechterung beobachtet, kann dies individuell besprechen. Strenge Verbotslisten oder der unkritische Verzicht auf zahlreiche Lebensmittel sind dagegen in der Regel nicht sinnvoll.

Vor allem sollten Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel oder Hausmittel eine notwendige medizinische Therapie nicht ersetzen.

6. Gelenkschmerzen bei Schuppenflechte nicht ignorieren

Psoriasis kann mehr als die Haut betreffen.

Bei einem Teil der Menschen mit Schuppenflechte tritt zusätzlich eine entzündliche Gelenkerkrankung auf – die sogenannte Psoriasis-Arthritis.

Deshalb sollten Beschwerden wie länger anhaltende Gelenkschmerzen, geschwollene Gelenke oder ausgeprägte Morgensteifigkeit ärztlich angesprochen werden. Auch Veränderungen und Beschwerden an Fingern oder Zehen können relevant sein.

Wichtig ist dabei: Die Stärke der Hautveränderungen lässt nicht zuverlässig darauf schließen, ob Gelenke betroffen sind. Eine Gelenkbeteiligung kann auch bei vergleichsweise wenig ausgeprägter Psoriasis der Haut auftreten.

Solche Beschwerden sollten deshalb nicht einfach als Verschleiß oder normale Gelenkprobleme abgetan werden. Eine frühzeitige Abklärung ist sinnvoll, da eine Psoriasis-Arthritis die Wahl der Behandlung beeinflussen kann.

7. Was sollte man bei Schuppenflechte besser nicht tun?

Bei einer chronischen Erkrankung ist es verständlich, möglichst viel selbst ausprobieren zu wollen. Einige Dinge sind jedoch wenig hilfreich:

  • Psoriasis-Plaques nicht aggressiv abkratzen.
  • Verordnete Medikamente nicht eigenständig verändern oder absetzen.
  • Nicht ständig zwischen verschiedenen Therapien wechseln, bevor diese korrekt angewendet und beurteilt wurden.
  • Vorsicht bei Angeboten, die eine „Heilung“ durch Nahrungsergänzungsmittel, Entgiftungen, spezielle Diäten oder Hausmittel versprechen.

Gerade bei Psoriasis gilt: Mehr ausprobieren bedeutet nicht automatisch besser behandeln.

8. Wann sollte man mit Schuppenflechte zum Hautarzt?

Eine dermatologische Untersuchung ist wichtig, wenn noch nicht sicher feststeht, ob es sich bei den Hautveränderungen tatsächlich um Psoriasis handelt.

Bei bereits diagnostizierter Schuppenflechte sollte die Therapie neu bewertet werden, wenn die bisherige Behandlung nicht ausreichend wirkt, Schübe deutlich häufiger oder stärker werden oder die Erkrankung den Alltag zunehmend beeinträchtigt.

Bei länger bestehender oder stärker ausgeprägter Psoriasis, die sich mit Cremes und Salben nicht ausreichend kontrollieren lässt, kann eine weiterführende Systemtherapie infrage kommen. Für die individuelle Abklärung und Therapieplanung bieten wir hierfür unsere Systemtherapie-Sprechstunde an.

Gelenkschmerzen, Gelenkschwellungen oder ausgeprägte Morgensteifigkeit sollten ebenfalls ärztlich abgeklärt werden.

Fazit: Bei Psoriasis zählt die passende Behandlungsstrategie

Schuppenflechte lässt sich heute bei vielen Betroffenen gut kontrollieren – auch wenn Verlauf und Therapieerfolg individuell unterschiedlich sein können.

Bei leichter Psoriasis können Basispflege und eine gezielte Lokaltherapie ausreichend sein. Wenn die Erkrankung damit nicht genügend kontrolliert wird, stehen weitere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Entscheidend ist deshalb weniger der nächste vermeintliche „Geheimtipp“, sondern eine Therapie, die zu Ausprägung, Lokalisation und persönlicher Belastung passt.

Häufige Fragen zu Schuppenflechte

Was empfehlen Hautärzte bei Schuppenflechte?

Empfohlen wird eine Behandlung, die sich an Ausprägung, betroffenen Körperregionen und individueller Belastung orientiert. Dazu gehören eine geeignete Hautpflege und – je nach Befund – eine gezielte lokale oder weiterführende Therapie. Wichtig ist außerdem, mögliche Begleiterkrankungen wie eine Psoriasis-Arthritis zu berücksichtigen.

Welche Creme hilft bei Psoriasis?

Zur Lokaltherapie kommen unter anderem Kortikosteroide, Vitamin-D3-Analoga oder entsprechende Kombinationen infrage. Welches Präparat geeignet ist, hängt unter anderem von Körperregion und Ausprägung der Psoriasis ab. Davon zu unterscheiden ist die regelmäßige Basispflege der Haut.

Was verschlimmert Schuppenflechte?

Infektionen, Stress, Verletzungen oder starke Reizung der Haut sowie bestimmte Medikamente können mögliche Einflussfaktoren sein. Auch individuelle Lebensstilfaktoren können eine Rolle spielen. Allerdings lässt sich nicht jeder Psoriasis-Schub auf einen konkreten Auslöser zurückführen.

Welche Lebensmittel sollte man bei Schuppenflechte meiden?

Eine allgemeingültige Liste verbotener Lebensmittel gibt es nicht. Eine ausgewogene Ernährung und ein gesundes Körpergewicht sind grundsätzlich sinnvoll. Strenge Psoriasis-Diäten oder der pauschale Verzicht auf zahlreiche Lebensmittel sind dagegen in der Regel nicht erforderlich.

Wann reichen Cremes bei Psoriasis nicht mehr aus?

Wenn die Erkrankung trotz korrekt angewandter Lokaltherapie nicht ausreichend kontrolliert ist, häufig stark zurückkehrt oder die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt, sollte die Behandlung neu bewertet werden. Auch bestimmte Lokalisationen und eine mögliche Gelenkbeteiligung können für die Wahl einer weiterführenden Therapie relevant sein.

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Dr. med.

Max Tischler

Facharzt für Dermatologie + Allergologie